Starker Typ: Tommy Four Seven

Erfolgreicher DJ, Nächte durchfeiern, ständig auf Reisen – ist es nicht wahnsinnig schwer, sich bei so einem Lifestyle vegan und gesund zu ernähren? Aber nein. Meint zumindest Tommy Four Seven. Eine Begegnung

„Hey! How are you?“ Gepaart mit einem Lächeln und einer Umarmung, so wird man von Tommy begrüßt. Dann kocht er, es gibt vorzügliche Dinkelnudeln mit gebratenem Gemüse. Und Rotwein. Er bestand darauf, das Treffen zum Interview in seiner Wohnung abzuhalten. „Nicht in irgendeinem Café, das ist viel zu unpersönlich.“

Während dem Essen erzählt er von seiner Vita: Schon seitdem er zwölf ist, hatte er den Wunsch DJ zu werden, studierte Musiktechnik in seiner Heimat London, kam dort dann zu einer gewissen Berühmtheit. 2008 zieht er nach Berlin, um sich auch hier einen Namen zu machen. Er ist bei bekannten Labels wie Stroboscopic Artefacts und CLR unter Vertrag, bis er sein eigenes Label („47“) gründet. Mittlerweile reist er um die Welt und veranstaltet sein Event „47“ im Arena Club in Berlin.

Dann kommt natürlich das Thema Ernährung auf. Seit circa fünf Jahren lebt Tommy vegan. „Das lässt sich tatsächlich nicht so genau bestimmen, da es sich eher um einen Prozess handelte“, erklärt er. Im Zuge seines Trainings für den Berlin Marathon fing er an, sich mehr mit seiner Ernährung ausein- anderzusetzen und stieß bei seinen Recherchen auf Harley Johnstone und Leanne Ratcliffe. Die beiden Australier leben raw-vegan und verfolgen ein Ernährungskonzept, das „30 bananas a day“ propagiert. Er probiert es aus. Dabei geht es nicht um Bananen bis zum Abwinken, sondern hauptsächlich darum, viel Obst und Gemüse zu sich zu nehmen. Wenn er darüber redet, merkt man: Der Mann hat Ahnung. „Die Kalorien sind egal, wichtig ist, was man isst.“ Die Regel lautet Achtzig-Zehn-Zehn. 80 Prozent Kohlenhydrate aus Obst und Gemüse, zehn Prozent Fett und zehn Prozent Protein. Diese Ernährung verfolgte er im Zuge seines Trainings und merkte, wie er sich nach und nach immer besser fühlte. Und dann blieb er bei der veganen Lebensweise. Spätestens nachdem er von den gesundheitlichen Aspekten zu den ethischen kam, sich „Forks over Knives“, „Earthlings“, „Cowspiracy“ und andere Dokumentationen an- gesehen hatte, traf er seine endgültige Entscheidung.

tommyfourseven2

Doch wie lässt sich ein veganer, gesunder Lebensstil mit dem ständigen Clubnächten in wechselnden Städten vereinen? Wenn er auf Reisen ist, hat er immer mindestens Obst und Nüsse dabei, um auf der sicheren Seite zu sein. Unterstützend nutzt er die App „Happy Cow“, die jedem dabei hilft, weltweit in so gut wie allen größeren Städten Restaurants zu finden, die mindestens eine vegane Option anbieten. So hat er schon einige, sonst wahrscheinlich unentdeckt gebliebene Lokalitäten aufgestöbert und musste nicht auf Brot und unmotiviert zusammengewürfeltes, ungewürztes Gemüse zurückgreifen, das er leider trotzdem noch viel zu oft vorgesetzt bekommt. „Erst letztens wieder“, seufzt er. Doch diese Lästigkeiten würden nie dazu führen, dass Tommy seine Entscheidung überdenkt. Er hat es sogar schon geschafft, mehrere seiner DJ-Kollegen von der veganen Lebensweise zu überzeugen. Anfangs war er an dieser Stelle wohl immer sehr radikal. Erzählte den Omnivoren ungefragt alles, was er wusste, machte ihnen Vorwürfe und war ziemlich direkt in seinen Aussagen und Fragen. Doch Tommy merkte schnell, dass sich die Menschen angegriffen fühlen und zumachen. So wurde er eher zum Auf- und Erklärer: „Man muss eine Art Samen in den Köpfen der Leute Pflanzen – im metaphorischen Sinn. Die Menschen müssen so weit aufgeklärt sein, dass sie anfangen von sich aus nach- und irgendwann umzudenken. Die Einsicht, dass unsere Zivilisation in keiner Art und Weise von der massenhaften Ausbeutung anderer Lebewesen abhängig ist, muss aus ihnen selbst heraus kommen. Dann wollen und können sie auch vegan leben, ohne das Gefühl zu haben, sich permanent einschränken zu müssen.“

Diesen weisen Worten kann auch die Autorin dieses Textes nicht mehr viel hinzufügen. Nur noch eine Erkenntnis in eigener Sache: An solche Interviews mit gutem Rotwein, gutem Essen und einem guten Mann – da könnte sie sich dran gewöhnen.

Fotos Salar Kheradpejouh

No tags 0

Keine Kommentare bisher.

Was denkst Du?

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.